Smarboo sprach diesmal mit Roger Schüller, dem Gründer der Coverband 2nd Hand, einer erfolgreichen Musikgruppe aus dem Großraum Köln/Düsseldorf. 2nd Hand ist seit 2004 gemeinsam unterwegs, durchweg mit professionellen Musikern besetzt und hat sich aus einem kleinen Duo heraus entwickelt. Die Band hat durchschnittlich sechzig Auftritte pro Jahr.

 

 

Smarboo: Herr Schüller, was ist der Stil der Band 2nd Hand?

2nd Hand: Da haben wir uns nicht festgelegt, von den Oldies der 60er Jahre über Beat, Rock’n‘Roll und Rock, der NDW [Neue Deutsche Welle, Anm. des Interviewers] bis zu aktuellen Charts geht alles, quer durch den Garten sozusagen. Außer Schlager, die spielen wir nicht (lacht).

Smarboo: Wie ist die Band denn zustande gekommen?

2nd Hand: Das ging damit los, dass ich ein Musik-Duo ins Leben gerufen habe. Ich wollte eine neue Band kreieren, etwas für den kleineren Rahmen machen. Unsere Sängerin, Anne Czolbe, war damals Gesangsschülerin bei mir und mit ihr habe ich dann das Duo eröffnet. Ein weiterer Gesangsschüler von mir, der Oliver Gärtner, mit dem ich mich sehr gut verstand, hat das Duo dann zu einem Trio verstärkt. Durch den Wunsch, auch mal auf größeren Events zu spielen, haben sich aus den Kontakten mit befreundeten Bands die anderen beiden Mitglieder von 2nd Hand, Bastian Kopp und Bernd Birkmann, gefunden. Wir wollten halt noch einen Schlagzeuger und Keyboarder haben.

Smarboo: Für welche Veranstaltungen ist 2nd Hand besonders geeignet?

2nd Hand: Musikalisch gesehen für Stadtfeste, das passt immer gut. Für Hochzeiten nur bedingt, da wir keine Schlager oder typische Hochzeitsmusik spielen, aber wenn sich die Veranstalter darauf einstellen, spielen wir auch auf Hochzeiten.
Generell würde ich sagen, dass wir für öffentliche Auftritte mit breit gefächerten Programm gut passen, wobei wir eine so große Songliste haben, dass Spezifizierungen auch immer möglich sind. Bei einem Motorrad Treffen, wo man es richtig krachen lassen will, spielen wir eben nur Rockmusik. Wir können auch unplugged Konzerte spielen, beispielsweise in Kneipen. Oder auch instrumentale Hintergrundmusik gestalten, wir sind also sehr flexibel.

Smarboo: Auf ihrer Website sieht man ja auch, dass vom Duo, Trio bis zu kompletten Band alles möglich ist.

2nd Hand: Genau, das ist für uns auch sehr schön, da es recht Abwechslungsreich ist und wir nicht immer mit denselben Leuten genau dieselben Songs spielen müssen. Die Auftritte variieren da doch recht gut. Wir hatten auch schon Auftritte in heimischen Wohnzimmern (lacht). Aber genauso gut spielen wir dann auch auf großen Bühnen.

Smarboo: Und was kann man als Veranstalter erwarten, wenn man 2nd Hand bucht?

2nd Hand: Als Veranstalter kann man erwarten, dass man mit uns eine „Achterbahnfahrt durch die Musikgeschichte macht“, wie ich es immer zu sagen pflege. Das bedeutet, dass wir nicht nur verschiedene Stile anbieten, sondern auch die Reihenfolge nicht so starr, sondern eher flexibel ist. Wir spielen also keine Musikblöcke, sondern wechseln auch einfach zwischen den Stilrichtungen. Da spielen wir dann ein Stück von Cat Stevens und danach folgt AC/DC. Tür auf, Tür zu – plötzlich wieder ein anderes Bild, sozusagen.

Smarboo: Wie sieht es aus, wenn Veranstalter Hilfe bei der Planung ihres Events brauchen, unterstützt ihr sie dann aktiv dabei?

2nd Hand: Ja, auf jeden Fall. Wir sprechen vorher immer genau die Vorstellungen der Veranstalter an die Show ab. Wenn sie unsicher sind, unterstützen wir sie mit unserer Erfahrung und nennen ein paar Beispiele, wie man es machen könnte, beispielsweise beim Ablauf, dem Start der Musik, der Länge der Sets, dem Soundcheck. Vor allem bei Hochzeiten ist da eine längerfristige Planung schon wichtig, da dort ja auch gerne mal Überraschungen passieren, d.h. da muss man dann schon ein paar Stunden vorher da sein. Aber auch bei Stadtfesten sind die Kontakte und Absprachen ganz wichtig. Am Ende soll es ja allen gefallen und die beste Planung für alle Beteiligten dabei heraus kommen.

Smarboo: Was unterscheidet euch von anderen Bands?

2nd Hand: Unsere Vielseitigkeit ist wirklich sprichwörtlich, wir können feinsinnige Zuhörer genauso zufrieden zu stellen wie die „Headbanger“. Außerdem sind wir ja auch professionelle Musiker, Musik ist unser Beruf und wir beherrschen unsere Instrumente. Durch die vier Sänger haben wir zusätzlich noch sehr unterschiedliche Stimmlagen, die wir bedienen können.
Zudem sind wir eine zuverlässige Band, d.h. man kann sich darauf verlassen, dass wir auch auftauchen und abliefern. Wir sind auch keine „Saufband“ die nur Drugs und Rock’n’Roll braucht und dann fast von der Bühne fällt.

Smarboo: Und wie lange dauern eure Shows in etwa?

2nd Hand: Unterschiedlich, von einer Stunde bis sechs Stunden ist alles möglich. Sprich wir spielen dann sechs Sets á 45min. Mehr nicht, da die Stimmen doch irgendwann versagen (lacht). Der Durchschnitt liegt etwa bei vier Stunden.

Smarboo: Gibt es bestimmte Songs, die bei eurem Auftritt nicht fehlen dürfen oder die immer gut ankommen?

2nd Hand: Ja, da gibt es natürlich einerseits AC/DC, sowas wie Highway to Hell, dann natürlich Pink Floyd mit Brick in the Wall, das ist immer ein Highlight. Momentan sehr viel Sunrise Avenue mit Hollywood Hills, das ist seit drei Jahren der Renner. Es kommt natürlich immer auf die Veranstaltung an, ob wir ein Kneipenkonzert spielen oder irgendwo zu Hause.
Unser Programm besteht zurzeit aus knapp 600 Liedern, und nach ca. 50 Liedern ist der Auftritt meistens auch vorbei. Da ist natürlich schwer zu sagen, dass wir immer die gleichen Songs dabei hätten.

Smarboo: Wir sieht es mit der Interaktivität des Auftritts aus? Wird das Publikum mit einbezogen?

2nd Hand: Natürlich, wir haben immer Lieder, wo die Leute anfangen mitzusingen. Bei jedem Auftritt werden Lieder auch spontan individuell gestaltet und das Arrangement kann angepasst werden, je nach Stimmung. Wir bauen quasi etwas Freiraum in die Songs ein, damit sich das Publikum austoben kann.

Smarboo: Hat sich seit dem Beginn von 2nd Hand etwas an der Art des Auftritts verändert?

2nd Hand: Dadurch, dass wir mit der Zeit größer geworden sind natürlich schon, wir haben beispielweise auch mehr Equipment als früher. Wir sind aber keine Showband, d.h. wir versuchen nicht durch eine Kostümierung oder karnevalistische Einlagen zusätzlich Eindruck zu schinden, sondern einfach durch unsere Musik zu überzeugen.

Smarboo: Welche Punkte dürfen eurer Meinung nach auf einer Checkliste von unerfahrenen Veranstaltern nicht fehlen?

2nd Hand: Für die Bands ist logischerweise wichtig, welcher Zeitraum gespielt werden soll, die Örtlichkeit natürlich und die Art des Standorts, sprich: ist eine Bühne da oder nicht, ist Technik vorhanden oder muss sie mitgebracht werden? Bei Open Air sollte auf Regensicherheit geachtet werden, und ob die Stromversorgung ausreichend ist. Oder in Kneipen, ob da die Sicherung rausfliegt, wenn wir unsere Verstärker anschließen. (lacht)
Eine pauschale Aussage ist natürlich schwierig, da Auftritte sehr unterschiedlich sind. Man sollte aber mit dem Veranstalter abklären, ob die Band passend zur Situation gewählt ist und das liefern kann, was er oder sie sich vorstellt.
Für den Veranstalter ist es wichtig, die Besetzung und Instrumentierung der Band zu klären, damit der Techniker sich darauf einstellen kann. Im besten Falle lässt man sich vorher einen Technical Ryder schicken lassen und kann dann alles vorbereiten.

Smarboo: Gibt es Veranstaltungen auf denen ihr ungerne auftretet? Lehnt ihr sogar gewisse Veranstaltungen ab?

2nd Hand: Von vorneherein wird eigentlich nichts abgelehnt, jedenfalls ist das bisher nicht passiert. Ungerne sind wir bisher auf Schützenfeiern oder Schützenfesten aufgetreten, da dort eher Karneval-Stimmung oder Ballermann-Lieder gewünscht werden, die wir nicht liefern können. Deswegen sprechen wir immer vorher mit dem Veranstalter, denn wenn beide Seiten etwas unzufrieden sind, ist ja eigentlich keinem geholfen.

Smarboo: Gibt es einen oder mehrere besondere Auftritte, die euch in Erinnerung geblieben ist oder euch begeistert haben?

2nd Hand: Ja, natürlich. Einmal haben wir in der Sendung Top oft he Pops eine Weihnachtsfeier gespielt, das war eine tolle Sache. Ansonsten der Rhein in Flammen in Koblenz als Vorband von Guildo Horn, das war ein Riesen Spektakel mit 8000 Zuschauern auf einer großen Bühne bei tollem Wetter. Beim Berliner Marathon spielen wir zum Beispiel jedes Jahr, dieses Jahr auch wieder.

Smarboo: Was ist das für euch Schönste am Musikerdasein?

2nd Hand: Das Musikerdasein selbst (lacht). Ich kann meine Liebe zur Musik als Beruf ausüben, und bestreite meinen Lebensunterhalt durch Musik, was toll ist. Musik ist einfach mein Leben.

Smarboo: Was sind eure Pläne für die Zukunft, wie geht es mit 2nd Hand weiter?

2nd Hand: Ich will in Zukunft auch eigene Songs ins Programm einfließen lassen. Die werden dann ohne Ankündigung einfach gespielt, damit die Leute unvoreingenommen sind. Die denken dann vielleicht „Den Song kenne ich gar nicht“, aber wir wollen das direkt durchziehen und wenn die Stimmung passt, gehen die Leute ja auch so mit. Eventuell werde ich meine Songs aber auch als Einzelmusiker spielen, wir werden sehen.
Bei 2nd Hand soll es so weiter laufen wie bisher. Solange wir erfolgreich sind, gibt es ja keinen Grund aufzuhören. Wir wollen natürlich schauen, dass wir am Puls der Zeit bleiben, wie man so schön sagt. Das Coverprogramm verschiebt sich ja auch, will sagen, dass die Songs der 60er zwar noch etwas reißen können, aber die 80er, 90er und 2000er sind im Moment am beliebtesten. Mit Liedern aus diesen drei Jahrzehnten punktet man eigentlich immer.

 

Smarboo bedankt sich herzlich bei Herrn Schüller für das nette und umfangreiche Interview und wünscht 2nd Hand noch viele schöne Jahre am Puls der Zeit!

(Interviewer: Philipp Söchtig)